Warum ist das Altpapier plötzlich so teuer?

Papierbranche im Ausnahmezustand

Die Großhandelspreise für gemischtes Altpapier haben sich im September 2021 mit einem Plus von über 220 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat 2020 mehr als verdreifacht. Papierverknappung und gestiegene Kosten haben auch mit einem Mangel an Altpapier zu tun. Und auch hier kommt wieder die Corona Pandemie ins Spiel, die zu veränderten Gewohnheiten geführt und einen bereits vorhandenen Trend zugespitzt hat. Das schauen wir uns genauer an:

Rückgang von grafischem Papier und Zeitungspapier

Ein Grund für den Mangel an hochwertigerem Altpapier, welches für bestimmte Druckerzeugnisse wie Zeitungen benötigt wird, ist die seit Jahren sinkende Produktion von sogenanntem grafischen Papier. Dieses dient zum Drucken, Schreiben und Kopieren. Binnen zehn Jahren gab es einen Rückgang um fast ein Drittel von 6,62 Millionen Tonnen im Jahr 2010 auf 4,49 Millionen Tonnen im Jahr 2020, so das Statistische Bundesamt. Zugleich haben die Printverlage den Umfang von Zeitungen reduziert, die Produktion von Zeitungspapier hat abgenommen. Sehr viele Menschen sind auf digitale Abos umgestiegen. Dieses Papier fehlt nun für die Wiederverwertung.

Lockdown senkte Druckaufträge und damit den Rohstoff für Altpapier

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie, als kaum Veranstaltungsflyer und Werbematerialien benötigt wurden, ging die Produktion im Jahr 2020 noch einmal zurück: um 11,5 % gegenüber dem Vorjahr auf 4,4 Millionen Tonnen. Insgesamt also ein Rückgang binnen zehn Jahren um rund 32 %. Also kaufte die Papierindustrie noch mehr aus dem Ausland. 3,4 Millionen Tonnen Altpapier zur Wiederverwertung wurden von Januar bis August 2021 aus anderen Staaten importiert. Das war fast ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Und aus dem Ausland importiertes Altpapier kostete im September 2021 um 75 Prozent mehr als im September 2020. 

Mehr Bedarf an Verpackungsmaterial verändert die Papierproduktion

Was man auch noch wissen muss: Die Papierindustrie in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend von der Produktion grafischer Papiere hin zu Verpackungspapieren und -pappen orientiert. So wurden von dem sogenannten Wellenpapier, das aus Altpapier hergestellt und zur schützenden Polsterung dient, 2010 rund 1,6 Millionen Tonnen in Deutschland hergestellt. 2020 waren es rund 4,4 Millionen Tonnen – ein Anstieg um über 170 %. Und es wurde deutlich teurer: Es stieg um rund 80 % im September 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat.

Pandemie führt zu deutlich mehr Pappmüll

Um zu verstehen, warum auch Altpapier teurer wurde, muss man auch hier die Auswirkungen der Corona Pandemie miteinbeziehen. Vor Corona lag der Anteil an Pappmüll bei 30%. Heute sind es 70%. Warum? In der Pandemie hat der Online Handel bzw. Versandhandel deutlich zugenommen. Essen to go aus Papptellern ist ebenfalls in Mode gekommen. Damit hat sich auch der Papiermüll der privaten Haushalte verändert. Mehr Pappe und weniger Papier landen in den Papiertonnen. Das führt aber zu einem höheren Aufwand an Sortierung, denn Pappe ist von minderer Qualität. Für die Altpapierherstellung ist Papier aus Druckerzeugnissen wichtig, also Zeitungspapier, Werbebroschüren etc.

Auch aufgrund der aufwändigeren Sortierung ist die Altpapierherstellung teurer geworden, denn sie wird nun kostenintensiver betrieben als früher. Ergebnis: Altpapier ist um 80% teurer geworden. 

Produkte aus Papier werden in 2022 noch teurer

In Deutschland kann man übrigens auf die Kreislaufwirtschaft stolz sein: 78% des verbrauchten Papieres stammt aus recyceltem Papier. Dennoch ist eines klar: Die Preise für Zeitschriften und Bücher werden steigen. Ein Kuriosum bleibt: 

Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sind die deutlichen Preissteigerungen bisher erst in vergleichsweise geringem Umfang angekommen. Papierprodukte wie Druckerpapier oder Schulhefte waren im September 2021 um 4,5 % teurer als im Vorjahresmonat. Auch das dürfte sich künftig ändern.

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